Pressemeldung

17.01.2012

Grüne Woche 2012: Systemwechsel überfällig

Kurz vor der Grünen Woche prägen die Antibiotikagaben bei Geflügel aus konventioneller Haltung die Schlagzeilen. Das aber ist nicht nur ein Medikamentenmissbrauchsskandal, stellt der Deutsche Tierschutzbund klar, sondern ein weiteres Zeichen des Scheiterns einer zunehmend industriell geprägten Landwirtschaft. Der Deutsche Tierschutzbund fordert anlässlich der Grünen Woche die Bundesregierung auf, endlich das Herumdoktern an Symptomen aufzugeben und einen durchgreifenden Systemwechsel einzuleiten. Die bisher bekannten Pläne der Bundesregierung für eine Novellierung des Tierschutzgesetzes gehen nicht weit genug. Auf der Agrar- und Ernährungsmesse stellt der Verband zudem weitere Details zu dem von ihm angekündigten zweistufigen Tierschutzlabel vor.

„Die Skandale der industriellen Tierhaltung sind beliebig gegeneinander austauschbar, sie legen immer und immer wieder offen, dass die Probleme systemimmanent sind", erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Nach wie vor werden Tiere in Haltungssysteme hineinmanipuliert, was für diese mit Schmerz und Leid und letztlich auch mit Schaden für den Verbraucher verbunden ist, wie die Skandale immer wieder belegen. Damit die Tiere die Intensivtierhaltung überhaupt überstehen, wird z.B. Antibiotika prophylaktisch eingesetzt und das massenhaft. Weitere Beispiele: Millionenfach werden den Legehennen die Schnäbel und Schweinen die Schwänze gekürzt. Klarzustellen ist auch, dass die Tierschutzprobleme nicht nur in der Haltung liegen, sondern schon mit der Zucht beginnen und beim Transport noch nicht enden. Der Deutsche Tierschutzbund nutzt die Grüne Woche daher, um für eine umfassende Novellierung des Tierschutzgesetzes zu werben. „Wir begrüßen, dass die Bundesministerin aktiv werden möchte. Aber das, was bisher an Plänen auf dem Tisch liegt, greift zu kurz und ist mit inakzeptablen Übergangsfristen verbunden. So möchte Ilse Aigner zum Beispiel die unbetäubte Ferkelkastration noch bis 2017 erlauben, Manipulationen an Tieren sollen weiter möglich bleiben, zum Thema Qualzucht bleiben die Vorschläge unkonkret", kommentiert Schröder. Die letzte umfassende Novellierung des Gesetzes fand 1986 statt, das Staatsziel Tierschutz ist bisher noch unberücksichtigt geblieben.

Der Deutsche Tierschutzbund wird auf der Grünen Woche weitere Details zum bereits angekündigten Tierschutzlabel vorstellen. Mit dem Label sollen zukünftig Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet werden, bei denen Tierschutzstandards weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus eingehalten werden. Geplant ist ein zweistufiges Verfahren. Die Kriterien sollen für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere erarbeitet werden und die gesamte Produktionskette umfassen (Zucht bis Schlachtung). Gestartet wird mit einem Label für Produkte von Masthühnern und Mastschweinen.

Tierschutzlabel

Was ist das Tierschutzlabel? Erfahren Sie mehr